Essay 1

Jede wirkliche Kunst steht im Zeichen des dionysischen Feuers, im eklektizistischen Tanz in beschwörender Extasis über und gegen den geistigen Abgrund der verfallenden Zeit. Dies heißt auch, das Wagnis mit dramatisch musikalischen Mitteln Brücken zu bauen zur versunkenen Welt des Unaussprechlichen, Unhörbaren, Unfaßbaren, jenseits hinter und über dem Elend des Sichtbaren.

Der letzte ohnmächtige Luxus persönlicher POESIE im überpersönlichen Selbst gegen das Verbrechen der gewöhnlichen Seichtheit des Lebens und der Verarmung der Phantasie, das von allen anteilig zu verantworten ist. Gegen die Einkerkerungen hierarchischer Systeme der Lebensgespenster im Prinzip des Materialismus und ihrer psychischen „Baukastensysteme“ in den Köpfen der Einzelnen.

Echte unmittelbare, d. h. unvermittelte Musik, die sich inhaltlich aufgrund ihrer natürlichen kindlich anarchischen Gefühlskraft, ohne unterhalten und unbedingt gefallen zu wollen, ausdrückt, muß Hörgewohnheiten verstören und aufbrechen können um andere Wege der geheimen Quellen ihrer Entstehung zu erschließen. Auch wenn sie in der jetzigen Beschränktheit des seit langem stattfindenden Kulturverfalls und der daraus resultierenden geistigen Beschränkung im Sein der Menschen zu ihrem Untergang fast schon unzerstörbar verschüttet manifestiert sind.

Musik also, mag sie zunächst schwer vermittelbar sein, der es durch ihre Ausdruckstärke und künstlerisch gewagten Mut möglich ist, dem Falschen hinterfragend entgegen zu treten, um so dem fast vergessenen Übersinnlichen dienend, künstlerisch den Weg zu bereiten.

Mediale Macht des Klanges, die sich also insofern in ungerührter Unbekümmertheit vor dem subejektiven Selbstzwang des Gefallens der Hörer verwahrt. Sich also völlig protestierend aussetzt, da sie nicht gewinnen will, und so der dramatischen Kunst in Unabhängigkeit a publico auf den ihr gebührenden Platz zurück verhilft.

Musik, die beständig den Mut der Trauer hat, das verzerrte Leben beklagend, das Fehlen des wahren Lebens anklagend zu empfinden, weil es Naturgemäß feindlich dem gegenüber steht, was alle echte romantische Kunst wieder erschaffen will. .

Denn: Fremdartig ist nicht die dramatische Musik, fremdartig allein ist die Entfremdung des Menschen vor ihr, vor sich selbst und dem ungelebten, geächteten Drama menschlicher Existenz.

Geweiht dem Symbol der unsterblichen Romantik der Blauen Blume, die als größte, vorstellbare Geistesleistung menschlicher Kultur zu gelten hat, und im Verborgenen weiter energetisch blüht für ihre Wiederkehr.

Zur Erinnerung und Erweckung der grob sichtbaren Welt in der das ewige Geheimniss untergeht, zur Warnung und Mahnung derer, die sie zertreten und so für immer schuldig werden an seiner für Sterbliche unvorstellbaren Macht.

SAMÉ


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