Interview
Deutsche Version

Es ist nicht einfach, gute Fragen zu finden, viel schwieriger aber, wie im diesseitigen Leben die potentiell richtigen Antworten, zumal für unaussprechliche Musik, die für sich selbst spricht.
Initiiert, verwirklicht, produziert und veröffentlicht von der rein idealistisch wirkenden Blue Shade Edition (eines kleinen Unternehmens mit einigen freien Mitarbeitern), die unter schwersten Voraussetzungen in ihrem Wirken gegen den Stumpfsinn der mechanisierten Welt ausgerichtet ist.
Der Verleger antwortet also in Vertretung und im geistigen Sinne der Musik und der Musiker:

Die Idee, Poets Cry! zu gründen, entstand aus der zwingenden Notwendigkeit, dem Lebenswerk von Ausnahmemusikern und dem durch sie ausgedrückten Geheimnis in einer zunehmend wahrnehmungsarmen, dieser Musik fremden Welt mutig Gehör zu verschaffen.

Vordergrund:
Es ist also keine Idee aus einer allgemeinen Vorstellung im Sinne eines fest fixierten Konzeptes, einer schulmeisterlichen Vorliebe für bestimmte Stilkategorien mit mehr oder weniger gutem Handwerk, aus dem Willen, dem Publikum zu gefallen und es zu unterhalten und somit Anerkennung oder Erfolg zu finden. So hübsch dieser Sinn der Musik sein mag, den Menschen Freude und Ablenkung von der Welt Dunkelheit zu schenken. Wie die gewöhnliche massenpopuläre Musik zeigt, dient es heute im Konsum von Musik oft nur der unterhaltenden Verdrängung unerträglicher geistiger Verhältnisse. Mit derartigen Harmlosigkeiten aus allgemeinen Entstehungskonzepten lassen sich unbekannte Geheimnisse und neue Wege in der Kunst nicht gewinnen.

Hintergrund:
Poets Cry ist einfach Musik um der Musik willen. Es soll der Musikkunst dienen und nicht ausgeliefert sein, in Abhängigkeit vom Geschmack eines subjektiv befangenen Massenpublikums.

Es folgt also keinem fest umrissenen Konzept, sondern ist ein aus fast 30-jährigem Musikschaffen, wurzelnd in der frühesten psychedelischen Ära entstandener, ständig weiterentwickelter dynamisch-mystischer Prozess. Letztendlich getragen in der Grundformation von 2 Ausnahmemusikern, die durch außergewöhnliche Gastmusiker unterstützt werden. Poets Cry! ist keine Band im herkömmlichen Sinne, sondern ein grundsätzlicher anarchistischer, urmusikalischer fantastischer Zustand! Also eine künstlerische Wesenheit, fast geisterhaft inhaltlich sich selbst ergebend, also nicht ausgedacht.
Es ist ein visionäres Wagnis dieser Urmusiker der Fantasie, von denen inzwischen ein äußerst umfangreiches Archiv geschaffen wurde. Aufgrund des hohen wertvollen Gestaltungsaufwandes, des kulturellen Anspruches, entgegen der desolaten Situation der Musikauffassung und des Musikgeschäftes wird voraussichtlich nur ein sehr kleiner Teil jemals veröffentlicht werden können.

Es ist der Versuch, dem ungeheueren Verfall der Kulturen, in der gegenwärtigen furchtbarsten Phase der Epoche der Angst, in der sich die Menschheit befindet, ohnmächtig und bewusst entgegenzutreten. Dies zeigt sich im Wesentlichen auch durch die furchtbare Stagnation der Massenverdummung in allen Ländern, der Verarmung der Fantasie, der Ignoranz und inneren Korruption, die zur völligen Verstumpfung jeder Aufnahmefähigkeit für alles Leben, für jeden Tod, also zur Normierung = Gleichschaltung = Faschismus führt.

Die gesamte Menschheit befindet sich bereits in der letzten Phase dieses seelischen Todes, eines Verlustes aller geistigen Werte, der zur absoluten Auszehrung der menschlichen Idee führen wird! Wenn genügend Menschen sich dieser äußersten Notwendigkeit bewußt wären, nicht nur in ständig wachsender angstvoller Ahnung die sich nur auf sich selbst bezieht, könnte sich alles, im Wunder des himmlischen Willens zur letztendlichen Wahrhaftigkeit rettend wenden!
Trotz der nur so täuschend machtvoll erscheinenden, unglaublich lebensverzerrenden Teufelei und ihrer erzeugten Blutozeane der verselbständigten Verwüstung in der schrecklichsten Epoche der Menschheitsgeschichte!

Nur durch absoluten Widerstand nach innen und außen, wiederfinden und empfinden der daraus resultierenden Uridee der kosmischen Einheit kann sich alles noch einmal zur Unvorstellbarkeit des metaphysischen Geheimnisses wandeln.

Es geht zusammenfassend darum, die authentisch urromantische Verbindung der wilden Tondichtung, also: dem Klang als Sprache der Poesie, und dem poetischen Wert und Denken als Klang und Zauber Ausdruck zu verleihen und diesen zu publizieren. Entgegen aller Widerstände und Unwahrheit, für und mitgetragen von den Menschen, denen noch Kraft zu Kämpfen um Wachheit und Geist sehnend zur Verfügung steht.

Der weltweit voranrasende Prozess geistigen Verfalls behindert ein Verstehen dieser Musik. Umso notwendiger, auch wenn sie nur ein bescheidener Beitrag zur unvorstellbaren Weltensymphonie des Wirkens der Gezeiten der Ewigkeit sein kann, ist ihre Veröffentlichung; in beschwörender Sehnsucht für die grenzenlose unvorstellbare Freiheit der Rückkehr und des Sieges des Lichtes über alle Schattenzeiten!

Denn, Kunst kommt auch von verkünden, d.h. Kunde tun!

Ihr bewusstes oder unbewusstes Ziel ist die Auflösung, Durchdringung und Verzauberung der Verdammnis des ohnmächtigen Menschen im Durchqueren der niedrigen Welt!

Frage 2:
Welche Gefühle oder Ideen möchtest Du durch die Band ausdrücken?

Der Sinn jeder wahren Poesie ist es, die Straßen zwischen dem Sichtbaren und Unsichtbaren offen zu halten. (Maurice Maetherling)

Die weitergehenden musikübergreifenden Betrachtungen sind bereits in Frage 1 bewußt so angelegt, daß die Inhalte, verteilt auf die ersten drei wichtigsten Fragen des Interviews, auch nur annähernd auszuleuchten sind:
Es ist der Kampf einer fantastischen künstlerischen Innigkeit und Wahrheit gegen die alles beherrschende bürgerliche (irr)Rationalität! Zu welcher Versklavung, Verödung und Verblödung diese scheinbare Wirklichkeit führt, zeigt ihr menschenverachtendes Scheitern in allen Epochen. Selbst jetzt wagt es sich noch in letzter Schamlosigkeit, “Realität“ zu nennen, da die Fratze der Hydra des vorbabylonischen Popanzes “Mammon“ sich im Sterben noch einmal verheerender denn je gebärdet. Das Heer der Machtsklaven hat sich selbst in langsamen und endgültigen unmerklichen Sterben den Untergang für die Geisterwelten bereitet und will alles vernichten, in und für die Menschen, in denen das Wahre und die Güte regiert .
Diese einfache Frage stellt an eine wahrheitsgemäße Beantwortung vielseitige Ansprüche. Grundsätzlich, geht es hier weniger um den bei Musikern oft vordringlichen Ausdruck persönlicher Gefühle, sondern vielmehr um das Finden der Vision des Ausdruckes überpersönlicher Gefühle, d.h. den Gefühlen im Schattenbereich der menschlichen Seele klanglichen Ausdruck zu verleihen. (Anm.: Dies ist am rätselhaften Charakter der Musik deutlich erkennbar und macht es natürlich schwieriger, da es leicht dem gewöhnlichen befremdend erscheinen kann. Dies ist vergleichbar dem Eisberg, von dem nur ein ganz kleiner Teil über Wasser erkennbar ist). Diese Musik soll also das Wesentliche darstellen, das Verschüttete, Wunderbare und Furchtbare, das Unbekannte. Viele haben das nicht gern, denn wer kennt sich schon selbst oder will sich wirklich kennen lernen? Letztendlich ist es das verzweifelte künstlerische Unternehmen einer Unmöglichkeit. Würde denn ein Großteil der Menschen endlich aufbrechen können und wollen, wäre die Utopie der Befreiung der niedrigen Welt möglich. Ein uralter Traum der Kunst, der in anderen Welten längst verwirklicht ist.
Es geht hier nicht um den eitlen Ruhm der Unsterblichkeit von Personen, sondern um den Unsterblichkeitsgedanken in und durch die Musik an sich. Durch die kommerzielle Verflachung, industrielle Verwertung, Eitelkeit der Künstler im prostitutiven Verlangen nach Anerkennung, ihre gesellschaftliche Vereinnahmung in ideologischen Dogmen, des Konsums, der Abstumpfung in sensiblen Aufnahme von Musik, als Hörergewohnheit zu genügen u.v.a.m. So befindet sich der immer evolutionäre Prozess Musikentwicklung ebenso in gefährlicher Stagnation wie alles andere auch.
Zusammenfassend ist die Grundintention also:
das mutig-hilflose, sinnlose oder gegen den Strom rasende Wirken durch Musik. Entgegenwirkend dem einzig wirklichen Wahnsinn der Selbstbesessenheit. Dadurch kann die Kraft erreicht werden, Hörergewohnheiten in spielerischer, kindlicher Unbekümmertheit zu durchbrechen, ob das diesen behagt oder nicht, Geheimnisse zu entdecken und mitzuteilen, in unabhängiger künstlerischer Selbstbestimmtheit. Es geht um Wiedererweckung der Phantasie, wo dies noch möglich und nicht völlig abgestorben ist. Es geht auch um die Forderung und Förderung nach dem Künstler im Zuhörer. Das Übersinnliche, Unabwägbare in der Musik und in aller Kunst kann entweder nur durch Unschuld eintreten, oder durch die Besessenheit im gefährlichen Verzehren nach der heiligen Flamme des Geheimnisses.
In der poetisch-romantischen Kunst, um dies von der weltabhängigen Kunst abzusetzen, ist die Kraft der Verklärung ein wesentliches Element. Verklärung heißt nicht Luftschlösser bauen, Verklärung bedeutet Erinnern, aufklären. Die echte Romantik will Mut machen, zur unbeugsamen Unbezwinglichkeit, ihre Wesentlichkeit liegt immer in der freien Phantasie, die alles spiegeln will und die Düsterheiten erhellen. Sie hat nichts mit Weltflucht zu tun, die ihr von der bürgerlichen Rationalgesellschaft immer wieder angedichtet wird. Es geht um erfassen, erkennen des Wunders, das in uns durch den Menschen im Fühlen geschehen muss.
Denn Ungewöhnliches entsteht nur aus Ungewohntem (also Fremdem, d.h. Andersartigem). Das Ausdrücken von persönlichen Gefühlen ist relativ, freilich entspricht die subjektive Sprache eines Musikers seiner gesamten Persönlichkeit, seiner Wesensprägung und geistigen Wahrnehmungsfähigkeit. Wenn die instrumentale Reife immer der geistigen Freiheit entsprechen würde, wären viele weltbekannte Musiker wirklich groß. Viele sind jedoch hier weit überschätzt, da sie von der geistigen Unreife der Welt profitieren. Die freie Sprache in der Musik ist objektiv. Alle tiefere Wahrheit in der Musik entsteht unterbewusst, nicht unbewusst. Sie ist die zunächst unverstellte Sprache eines universellen, unvorstellbaren kosmischen genius loci! Sie erinnert, spiegelt das Unvergeßliche, von dem keiner mehr weiß – wirkt also dem Vergessen entgegen, das diese übermächtige Trostlosigkeit schafft, die heute endgültig in den Abgrund des Bestiariums absoluter Hoffnungslosigkeit zu reißen droht.
Aber das Königreich der Liebe und absoluten Schönheit wird wiederkommen nach dem Ende aller Schatten!

Frage 3:
Was ist die Idee hinter Poets Cry? Was ist Deine Essenz?

„Aber Leben ist nicht träumen, das Stück demonstriert es und das entzauberte Schloss, das entgiftete könnte ich auch sagen – wird weniger angenehm für die einen, solider für die anderen, auf jeden Fall aber unbewohnbar sein für Seelen, die diese Erde nicht für ein Paradies halten.“ Jean Cocteau Die Ritter der Tafelrunde

Die Essenz kann nur utopischer Natur sein und ist in der antiutopischen Realität einer mittlerweile simulierten Welt demnach unmöglich. Sie ist naturgemäß vielschichtig und nur in Andeutung zu beschreiben. Ein wichtiger zentraler Punkt ist sicher der Versuch des Entgegenwirkens durch musikalische Mittel:
In dieser seltenen, seltsamen Auslieferung an das traumhaft Unterbewusste, die – wie vorhin schon erwähnt – die unverzichtbare Voraussetzung für das Eintreten eines Übergeordneten, Übersinnlichen in die Musik ist. Ihre unbewusste Nähe oder Ferne im Empfinden zum Unnennbaren bestimmt die Zu- oder Abneigung der Hörer. Ein wesentliches Element in der Musik ist die Dramatik. Die dramatische Kunst allein ist in der Lage, das Heiligste des menschlichen Daseins, das Leid, auszudrücken! In der romantischen musikalischen Interpretationsdramatik geht es immer um unendliche Tiefe. In ihrer ganzen aufbrechenden Bedeutung der tief verborgenen Erinnerung an die unermessliche und ungeheuerliche Wesenheit unserer aller Freiheit im Unterbewussten. Also, um das Wechselspiel zwischen Leben und Tod! Quintessenz ist der Ausdruck der wesentlichen Gefühle des Menschen, die unmittelbar gelebt werden müssen und in der rückständigen modernen Zeit dieser Welt und seiner Selbstsucht, obwohl sie die größte Wirklichkeit besitzen, weggelogen werden. Dies schafft die Schrecken der Unwirklichkeit! Es ist eben der ohnmächtige Aufschrei dieser Musik gegen die Unbezwingbarkeit des Schicksals, dem jeder entfliehen will. Es ist ein anderer künstlerischer Ausdruck des Lebens in der eigentlichen wesentlichen Form der Verzweiflung, der Schuld oder besser Verantwortung des Menschen, des Liebesleides dem schrecklichsten aller Leiden, und des Todes in erlösender Majestät seiner Verklärung. Letztendlich ist im Aufbegehren dieser Musikkunst die Aufforderung enthalten, eben dem Unentrinnbaren mutig und vertrauend durch alle Schatten zum Licht entgegenzugehen. Möglicherweise mag dies genau der Grund sein, warum die Menschheit bis auf Ausnahmen seit Anbeginn scheitert auf ihrem Weg in höhere Welten.

Sie ist ein Faktum in der Musik von Poets Cry im Ausdruck des Unmittelbaren, Unwillkürlichen, Unberechenbaren. (“Ausdruck ist die hohe Schule der Melodie“, D. Diderot.) Die Essenz ist eng vergleichbar mit dem Prozess der Alchemie. Durch den Zauber der künstlerischen Darstellungskraft entsteht eine lösende, eine aufbrechende Identifikation des Trostes.
Es ist das künstlerische Wunder der Berührung, Anrührung, Aufrührung, durch das der Prozess einer inneren Identifikation des Trostes entsteht.

Die künstlerische Voraussetzung im persönlichen Ausdruck des dramatischen Künstlers beruht immer auf der Voraussetzung der Schmerzensfähigkeit im Gedanken, dass unvergängliche Freude nur so zu finden ist!
So wie in dieser falschen Welt, die nicht unsere ist, weil sie uns durch Verbrechen gegen das Leben genommen wird, jeder Mensch vor die Prüfung seiner Güte in der Unerträglichkeit des Lebens gestellt wird. Der oft falsch betrachtete Weltschmerz ist ursprünglicher Künstlerschmerz, ist Ausdruck der bewussten und unbewussten Schmerzen aller!
Die Menschen der Befangenheit, die den Schmerzen also der Auseinandersetzung mit dem Unerträglichen des Lebens sinnloserweise fliehen, sind von Poets Cry Musik oft verunsichert, können sie nicht seelisch erfassen und fühlen sich gar unbewusst bedroht. Naja, was sie nicht verstehen, mögen sie eben gottseidank nicht. Es wäre kein Kompliment für diese Art von Kunst, wenn es anders wäre. In Bayern, das wenig Wahrheit der Welt trägt, gibt es immerhin ein sinniges Sprichwort: “Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“!

Zeitlose Musik reißt den Nebel des Grauens der Welt in wilder Empörung auf. Dies ist ein substanzielles Wirkungsfeld der Poets Cry Musik, die oft dunkler erscheint als sie ist, im Verlangen nach einem wirklichen Licht, das nun einmal nur im und hinter dem Schatten zu finden sein kann. Futuristische Musik, die diesen Anspruch des Visionären an sich stellt, muß ebenso weit und tief in Vergangenes eintauchen, wie vorausdenkend der Zukunft auch im Furchtbaren entgegen gehen. Sie muss sich in dieser selten gewordenen Form der Freiheit wilder Darstellungskraft konfrontieren, protestieren gegen die Normierung und Nivellierung, in Wildheit demonstrativ sein und sich ausliefern! Auch auf die Gefahr hin, vom Lächerlichen lächerlich gemacht zu werden, was nur ihre künstlerische Kraft beweist! Sie muß verstören können, erregen, revoltieren gegen die Langeweile! Denn: Langeweile ist erzeugt aus Geistesschwäche und Gedankenlosigkeit. Dies ist das, was das Durchschnittliche und die Mittelmäßigkeit des Normalen erzeugt, also die moderne Nivellierung des Menschen in der Masse. Durch Verleugnung des wirklichen Selbstes wird der entsetzliche Nährboden für die böse Seite des Menschen erst bereitet. Also aus bürgerlicher Konvention ist der Terror schon immer für natürlich erklärt worden und das Lebendige für krank. Also das Untote, das nicht zum Leben und nicht zum Sterben kommende, ist die Voraussetzung für den gleichgeschalteten Menschen, der seiner Individualität beraubt werden soll. Langeweile ist ein Verbrechen ebenso gegen die Uridee der Schöpfung allen Lebens. Genauso wie in der darstellenden Kunst, die ja immer Musik im letzten Sinne ist, also auch als Wort, Farbe in allen Bereichen des menschlichen Ausdruckes. Es verrät sich sofort das Verhältnis von echt oder unecht. Fraglich, ob es überhaupt gute oder schlechte Musik gibt, sondern eben nur echte oder unechte. Echt ist immer nur das wahrhaft von innen kommende, herzergreifende, nicht eingebildete, nicht eitel auf Selbstgefallen abzielende.
In der Entfernung zu dieser unbedingten Erkenntnis liegt die Urtragödie des Menschen! Letztendlich geht es für die gesamte Menschheit um Alles oder Nichts. Hierbei kann nur die Wiedererinnerung der mystischen Wesenheit in der Erkenntnis helfen, dass nichts und niemand letztendlich einsam, vergessen und verloren ist!

Identifizierung heißt auch Vorbild nehmen.
Für Künstler, die allein aus sich selbst, seelisch stilbildend schöpfen können und müssen, darf es keine grundsätzliche Ausrichtung nach Vorbildern geben. Sie haben dies auch nicht nötig, und es würde die Entwicklung der eigenen künstlerischen Kraft nur überflüssig hemmen.
Vom Anfang der Musikentwicklung von Poets Cry an war selbstverständlich, dass keine Ausrichtung auf Vorbilder in Personen oder Stilen notwendig und interessant waren. Sicher sind nur sehr wenige Musiker wirklich frei von Vorbildern, Vorprägungen und stilistischen Einflüssen. Poets Cry jedoch spielt allenfalls nur amüsiert mit interessanten Einflüssen und Zitaten, wenn sie echte tragfähige Basis für weitere Entwicklungen oder variierenden Möglichkeiten bieten. Sie sind manchmal wie alte Kinder, die mit Noten spielen, diese zerlegen, auftürmen, durcheinander werfen und wieder neu und anders zusammensetzen.
Ein direkter musik- und personenbezogener Einfluss ließe sich allenfalls in ihrem wilden Phantasiespiel, entfernt als Parallele zur Musik der Frühantike, des Barock sowie Früh- und Spätromantik europäischer Musik und zur modernen expressiven Avantgarde des frühen zwanzigsten Jahrhunderts herstellen.
Zeitbestimmt ist natürlich die Nähe zur frühen Psychedelik vom Anfang der siebziger Jahre gegeben, da Poets Cry dieser bestimmenden und befreienden Phase angehören.
Der Sänger von Poets Cry könnte ohnehin nur den antiken Orpheus als einzig mögliches Vorbild nehmen, was durchaus naheliegend wäre? Wer weiss schon, wie der die Unterwelt betörende Gesang wirklich geklungen hat?

Letztendlich ist die Musik der Poets Cry-Entwicklung aufgrund ihrer hohen Eigenidentität, die immer dem unmittelbaren Ausdruck der Musiker entspricht, ein Akt permanenter Selbstentblößung, sie trägt also keine Maske, und verbirgt sich nicht hinter stilistischen Fixierungen. Wie selbstverständlich wird hier die der Musikkunst so schädliche irrelevante Spaltung zwischen ernster und Unterhaltungsmusik aufgehoben. Sie ist nichts anderes als eine musikfeindliche Manipulation kapitalistischer Prägung von Geschäftemachern aus der zweiten Phase der Industrialisierung seit dem 19. Jahrhundert (Konzertkommerzialität) und des 20. Jahrhunderts (Reproduzierkommerzialität). Eben diese selten gewordene, noch nicht dagewesene Form der Freiheit künstlerischer wilder Darstellung, die sich einen Teufel um die Meinung anderer kümmern will und darf.

Dies ist eine wesentliche Voraussetzung für das Element des Unmittelbaren, Unwillkürlichen! Eben durch diese selten gewordene, noch nicht dagewesene Form der Freiheit künstlerischer wilder Darstellung, die sich einen Teufel um die Meinung anderer kümmern will und darf.

Der weltweit voranrasende Prozess geistigen Verfalls behindert ein Verstehen dieser Musik. Umso notwendiger ist ihre Veröffentlichung.
Es gibt näher liegende indirekte Identifikationen wie etwa in der Klassik, die Spätromantiker: Schubert, Schumann oder Grieg u.a., ebenso wie Bezüge zur Troubadour-Kunst des 12./13. Jahrhunderts und frühen Mittelalters in der Form des Refrains (Rondeau) und der Ballade. Ebenso ist eine Beziehung zur Madrigalkunst italienischer Prägung (ars nova) erkennbar.

Aus einem Musiktraktat des 13. Jahrhunderts, des berühmten Theoretikers Johannes de Grocheo, sei seine Gliederung der Musik in drei Teile erwähnt:

1.Musica civilis – Volksmusik
2.Musica mensurada – polyphone Kunstmusik
3.Musica ecclesiastica – Kirchenmusik

Wenn überhaupt Zuordnung in Gattungen, dann wäre die Musik von Poets Cry!
eindeutig der polyphonen Kunstmusik zuzuordnen.
Also einer Art von Musik, die in ihrer eigenwilligen Seltsamkeit der Musica Humana entspricht. Diese Bezeichnung definiert eine Widerspiegelung der Sphärenmusik des Alls im Mikrokosmos des Menschen.

Um dieser Musik zu einer weiteren Verbreitung und tieferem Verstehen zu verhelfen und auch im Grundsätzlichen des Verhältnisses des Hörers zur Musik als Erfahrung zu erleben, ist denkendes Fühlen notwendig. Dringend überfällig ist progressives also fortschrittliches, offenes Suchen, denkendes inneres Auseinandersetzen über Musik, das sich nicht mehr mit den seit Generationen gepflegten oft pseudophilosophischen Phrasendreschereien aufhält und zufrieden gibt. Jedoch wird die eigenkreative Arbeit eines denkenden Hörers wohl leider ein vergeblicher Wunsch bleiben. Weil eben im allgemeinen Musikverstehen Musik gefälligst zu unterhalten und zu gefallen hat. So kann eben echte Musik nur selten ihre befreiende Wirkung in eigenständiger Souveränität entfalten.

Frage 5:
a) Wie schwierig war es für Dich, Deinen eigenen Sound zu finden und zu definieren?
b) Wolltest Du immer diesen Musik-Stil machen?

a)
Auch in dieser Frage muss wieder betont werden: Zunächst ist dieser einzige Stil, der von keinem Musiker oder Gruppe in dieser Klang- und Themenfindung nachzuspielen ist, kein gefundener Sound im Sinne von erfinden. Im Gegensatz zu vorkomponierter Programm-Musik, die ausgedacht und durch verschiedene Prägungen persönlicher, sozialer, nationaler Art u.s.w. von außen beeinflusst ist. Die Klangbilder haben sich immer von selbst gefunden und durch künstlerische Unbedingtheit definiert. Im urschöpferischen produktiven ist der Prozess des Findens nie schwierig gewesen. Wenn DIE INSPIRATION dem Künstler eine Gnade erweist, ist das Finden einfach. Der Musiker muss „nur“ in der Lage sein, sie auszudrücken. Wesentlich schwerer ist der bewusste Prozess der produzierenden Weiterentwicklung. Dieser baut sich oft über lange Zeiträume pyramidenstufenartig durch innere Fügungen, neu erweiternde Inspirationen auch in der organischen Vereinigung mit der Sprachpoesie auf. Es erfordert lange komplexe Prozesse der Geduld, der ringenden, weiter improvisierten Auseinandersetzung mit der vorhandenen geistigen Substanz.
Der Definitionsprozess, ist für die weitergestaltende Entwicklung, als
Selbstauseinandersetzung der Musiker bzw. des Produzenten im inneren geistigen Vorgang notwendig und unverzichtbar. Um dies anschaulicher zu machen, sollte man es vielleicht erweiternd so ausdrücken: Ein intuitives Arbeiten im seelischen Gemüt schafft überhaupt erst unvorstellte Vorstellungskraft, also freie Phantasie. Als zunächst fühlendes Erkennen, in der Ahnung der geheimen musikalischen Bilder. Ein ahnendes Spüren im Gegenwärtigen des künstlerischen Prozesses, der ebenso weit in der Vergangenheit wie in der Zukunft liegen kann.

Dies ist eben einer der metaphysischen Vorgänge der von anderen (Hörern oder Musikern) nicht erkannt wird oder gar unbewusst befürchtet wird. Ein fast unschuldiges Überlassen an eine unbekannte Vorsehung, also dem Nicht-Wissen, Nicht-Können, Nicht-Wollen. Vielleicht tatsächlich ein Vorgang künstlerischen Wahnsinnes, der sich bewusst zerstörerisch dem eigentlichen Wahnsinn der alles beherrschenden furchtbaren bürgerlichen Vernunft und ihrem einfältigen Rationalismus entgegenzustellen versucht. Diese kann Verstand ja nur beanspruchen, wo sie altruistisch in Kunst und Wissenschaft dem Wohle der Menschheit dient. Da sie jedoch der Zwiespältigkeit des menschlichen Wesens entstammt und unterliegt und die Wurzel zu den alten Wissenschaften, von denen sie abgezweigt ist, in der Mystik verloren hat, glaubt sie, etwas zu wissen, zu verstehen und weiß in Wahrheit nur sehr wenig bis zu gar nichts. Trotz seines übermächtig gewachsenen profanen Rationalwissens geriet sie in den Strudel des heutigen selbstvernichtenden rasenden Prozesses eines scheinbar immer mehr erkennenden wahnsinnigen Fortschrittes, der zu gar nichts führt, also gleichzeitig Rückschritt ist, da die visionäre Kraft des phantastischen Glaubens fehlt. Diese höchst bedrohliche Entwicklung täuscht eine immer größere Schnelligkeit im „Erkennen“ und Bewegung vor, ist also als Realität simuliert. In Wirklichkeit bereiten höhere Dimensionen dadurch die Auflösung/Ablösung des Raum-Zeit-Materie-Gesetzes vor, das den Menschen nur aus Gnade überlassen wurde, die durch die Existenzfallen des Bösen und seiner Erscheinungsform Macht, Reichtum usw. immer nur mißbraucht wurden.
Das übersinnliche, unfassbare, ewige Element wirkt in seiner unerforschlichen Unendlichkeit, die den armen Menschen immer umgibt, unaufhörlich, unaufhaltsam, unbemerkt, seit langen Jahrzehnten immer stärker in die grobstoffliche Welt hinein, zu einer kommenden unfasslichen Epoche der heute noch unvorstellbaren Befreiung des geistigen Elends unserer Zeit.
Die Kunst ist ja ebenfalls in der heutigen Zeit, noch mehr als früher, endgültig und vollkommen der gesellschaftlichen Willkür ausgesetzt. Ein gegenseitiges Versagen von Künstlern und Publikum in Abhängigkeit a priori. In ihrem Ursprung ist echte Kunst immer das Gegenteil von Willkür! Durch ihre Vereinnahmung mit gesellschaftlichen Mitteln (Ehrgeiz, Erfolg, Ruhm u.s.w.) wird sie ihrer Kraft beraubt, die sich im Wesentlichen immer nur im Ideellen gebären und leben kann.

Wie lästig und überflüssig ist immer diese Selbstüberschätzung von Künstlern, speziell Musikern, aufgrund der Befangenheit im eigenen Tun. Sicherlich ist Musizieren ein ernsthafter Prozess, in dem – gerade in der Klassik – harte Arbeit notwendig ist, aber wo ist das spielerische, die Spielfreude, die mindestens so wichtig ist? In der bürgerlichen Musikauffassung und Musikpflege wird sie aufgrund unphilosophische und falscher Einstellungen, wie Leistungsdenken, Perfektionswahn, Egoprojektion der Künstler oft genug beeinträchtigt.

Musik hat dem schönen Schein der hohlen Fassade bürgerlicher Wohlanständigkeit zu dienen ebenso wie dem Selbstwertgefühl der ausführenden Musiker. Naturgemäß verbittert dies die seltene Spezies von Künstlern, die Kunst um der Kunst willen schaffen wollen.
Frage 5 b)
Poets Cry, die sicher in vielen Stilen musizieren könnten, wollten nicht immer diesen Stil gestalten. Sie mussten, bzw. er musste entstehen. Wie ausführlich bereits erklärt, ist dieser Stil eben nicht gemacht, also kreiert. Stil entsteht aus der individuellen, bereits in der Seele vorhandenen absoluten Notwendigkeit ursprünglicher Kunst. Eine gleichsam nicht aussprechliche, vom Übersinnlichen vorgesehene Fügung.

Poets Cry!-Musik ist eine andere, noch nicht dagewesene Art der Musikschöpfung, die mit dem Sterben von Poets Cry! auch nicht mehr wiederkommen kann. Die Identität zu dieser Fähigkeit von Musikbildung würde unweigerlich verloren gehen, wenn sich Poets Cry! in den 30 Jahren ihres Werkschaffens mit herkömmlichen erfolgsversprechenderen Zeitströmungen der Popularmusik beschäftigt hätte.

Das Etikett “progressiv“ ist nur ein Begriff, der durch das Können der Tat erst einmal ausgedrückt werden muss. Die Gefährlichkeit der Begriffe, die sich ja auch in der geistigen Begriffsstutzigkeit und Hilflosigkeit mancher Kritiker in Europa zeigt, ist ein Krankheitssymptom der Verflachung von Sprache als Gedankenlosigkeit. Sie ist eine der Ursachen des geist- und vertrauenslosen Kommunikationsverfalls in der heutigen Zeit der schattenhaften Unwesentlichkeiten menschlicher Beziehungen. In allen vereinheitlichten Begriffsbenennungen wird nur die Summe von stetig wachsenden erstarrten und ungebildeten Vorurteilen sichtbar ausgedrückt!
Der Begriff ersetzt gefährlicherweise das Begreifen der Wirklichkeit, also letztendlich die Wirklichkeit als unnennbares Selbst, die immer wieder neu erkämpft und erfahren werden muss. Das aber setzt die Fähigkeit zur Auseinandersetzung zum Leiden, Mitleiden, zum Suchen, also zum Denken voraus, vor allem die zum Philosophischen-Poetischen. Aber damit haben es ja leider die meisten Menschen immer schon schwer gehabt, nämlich über das Instinkthafte hinauszukommen.

Poets Cry!-Musik jedenfalls trägt diese lästige unpopuläre Aufgabe in sich, zur Auseinandersetzung zu zwingen.

Frage 6:
Was ist die Hauptidee des Awakening-Albums?


Die höchste Aufgabe der Bildung ist, sich seines transzendentalen Selbstes zu bemächtigen. (Novalis)

Alle ausführlichen Antworten geben verbindend weitere Auskunft über die vielschichtigen Ideen von Awakening. Grundsätzlich ist jedes Stück für sich Ausdruck von vielen verborgenen Hauptideen einer ähnlichen romantischen Grundintention.
Noch einmal zusammengefasst anderes ausgedrückt: Der Titel allein ist Programm. Erwachen – Aufwachen – Erwecken. Die Sehnsucht in der Idee dahinter, ist durch dramatische musikalische Unmittelbarkeit der schier unentrinnbaren Agonie des menschlichen Schlafes entgegenzuwirken. In der musikalischen Substanz dieses Albums steckt die verstörende Kraft der Beunruhigung, des Aufruhrs. Ebenso wie die klagend sehnende Suche nach Veränderung, Verwandlung, Wiederfinden.
Musik als Symbiose musikalischer Poesie in anspruchvollster Gestaltungsform. Awakening ist ein Gesamtkunstwerk aus Klang, Wort und Bild. Es ist Musik als Ausdruck überpersönlicher Inspiration, die sich bewusst fremd in und gegen die Zeit und Realität stellt. Sie wirkt durch die Persönlichkeit der Musiker, deren ideelle Inhalte in unmittelbarer Expressivität Ausdruck phantastischer romantischer Wesenheit ist. Der Anspruch der visionären zeitlosen Kammermusik – im Elementaren des Unabhängigen, Unausgedachten, Unberechenbaren, in der Urerfahrung des Existenziellen ist hier erfüllt. In der musikalischen Mystik sind immer sowohl urmenschliche wie nicht-menschliche Elemente verborgen. Aus dieser Substanz entsteht in der Musikkunst immer das Element der weit vorausgeeilten Zeitlosigkeit. Voller spontaner Inspiration in spielerischer Unbedingtheit des um Wachheit ringenden improvisativen Erleuchtungsmomentes. Das unbekümmerte Wagnis des eigentlichen künstlerischen Anspruchs der Sehnsucht nach innerer Befreiung der gefangenen menschlichen Existenz. Diese Musik bewirkt in subversivem Idealismus die Erweiterung des menschlich begreifbaren Wahrnehmungsraumes – getragen von der seltenen Fähigkeit, alles in der Oberfläche der Zeitströmung nicht sicht- und fühlbaren in allen hellen und dunklen Färbungen über das persönliche Subjekt des Künstlers und Hörers hinaus aufzugreifen. In eigenwilliger futuristischer Kraft weist Poets Cry weit über eine befangene Gegenwärtigkeit hinaus und versucht, wiedererweckend Brücken zu bauen zum elementaren Geheimnis unbekannter vergessener Welten, denen wir letztendlich alle entstammen.
Es muss Musik geschaffen werden, die anderes will und kann. Naturgemäß kann sie damit zuerst einmal nur fremd sein, (ungewöhnliches muss ungewöhnlich sein und wirken).
Es geht hier um nicht weniger als um die Demonstration von Musik, die ihr Licht nicht allein aus dem Sichtbaren der Welt bezieht. Sie kann deswegen faszinieren, weil sie faszinierend ist! Awakening soll und kann über diese Welt hinaus auf andere Welten hinweisen. Das Aufzeigen neuer Wege der Musikschöpfung mit anderen musikalischen Mitteln und Möglichkeiten kann nur so geschaffen werden. In ihrem inneren Drang wird ein starker revoltierender Protest ausgedrückt. Es ist der Ausdruck der Verzweiflung aller in diesem Album, es soll helfen, an der untersten Welt nicht zu verzweifeln. Es geht hier um ein sich-nicht-abgeben, abfinden mit der Konformität, Zwangsnivellierung der Welt und der Musik, die ja immer vom Gefallen der Hörer abhängt. Im Hörer selbst soll etwas Geheimnisvolles wiedererweckt werden, was freilich wohl noch lebendig oder wiederbelebbar sein muss, um einen Bezug zur Poets Cry-Musik zu finden. Diese Musik drückt eben das Unbekannte, Unerkannte aus. Sie kann und will hier wenig Orientierung im Gewohnten geben. Denn sie ist der rationellen Welt erbitterter Feind und wird immer wie alles selten gewagt-visionäres polarisieren. Sie muss dies sogar, um ihre künstlerische Berufung zu erfüllen. Sie wird als Beweis ihrer revolutionären künstlerischen Kraft die Hörer immer in zwei Lager spalten. In Be- und Entgeisterte, diesen kann diese Musik verstörend oder verhasst sein. Die Künstler sind nicht verantwortlich für die Abstumpfung der Phantasie und der Degeneration innerer Sinne.

In ihrem inneren Charakter trägt die Idee von Awakening auch die Beschwörung gegen das Vergessen, in der musikalischen Anrufung der Geister, die sich vom Menschen abgewandt haben. Sie beinhaltet auch die Mahnung, Aufforderung zum Erkennen der Wirklichkeit hinter der relativen erscheinenden Wirklichkeit des Individuums.

Ihr innerstes Wesen ist der einer lyrisch verwandelnden und verzaubernd verstörenden epischen Musik in der Kunstform des Liedes eines weiten Raumes. Die Zaubermacht des poetischen Wortes in Musik verwandelt.
Die Stille des Lautes!

Noch viel länger als dieses Interview fertig zu stellen. Die Frage ist zur Beantwortung aufgrund des Charakters der PoetsCry-Inhalte ebenso anspruchsvoll wie die Musik. Der hohe Anspruch an die Musikalität beinhaltet natürlich eine lange und liebevollst erarbeitete Produktionszeit. Die Urschöpfung vieler Themen geht oft weit zurück. Die Blue Shade-Edition sieht ihre Aufgabe in erster Linie darin, dieser Musik zu dienen, nicht dem Geschmack einer befangenen, oft agonisch degenerierten Öffentlichkeit. Musik wird offenbar als Psychopharmaka für ihre Wahrnehmungsstörungen missbraucht und betrachtet, zur Garnierung als Dekorationsware für ihr stetig wachsendes geistiges Vakuum, konsumierbar herabgewürdigt und beliebig kopierbar natürlich (je mangelhafter, durchschnittlicher eine Musik ist, desto leichter ist sie eben dem Flachbewußtsein verständlich).

Hintergründiger ist diese Frage zu beantworten, wenn man auf die Entstehung der Musikalität auf diesem Niveau eingeht. Echte Kunstmusik kann nur in still verborgener, weltabgewandter Zeitlosigkeit entstehen, über lange Jahrzehnte um der Kunst willen. Es geht hier um die letzte. dem Urkünstler mögliche Liebe zur Kunst, die diesen Anspruch erst ermöglicht. Dies Wirken in der weltverachtenden Einsamkeit ist für Musiker, die naturgemäß immer Rückbestätigung brauchen, die härteste, aber notwendigste Voraussetzung für das Entstehen von fremder anders und einzigartiger Musik.

Awakening ist als Perlenkette seltener Sternensteine zu betrachten. Manche Themen werden kaum bearbeitet (oder geschliffen). Bleiben also so in der Form, wie sie in erster Improvisation mit spielerischen Ergänzungen entstehen. Andere werden in langen Produktionsstufen über oft weit auseinander liegende Zeiträume improvisatorisch gezielt weitergestaltet. Der Gesamtentstehungszeitraum, da Poets Cry-Alben immer Veröffentlichungen aus einem Lebenswerk sind ca. 10 Jahre. Bildgestaltung über zwei Jahre. Die Antwort zu Frage 8 wird noch mehr Aufschluss geben.
Eine bestimmte Musik, die jene seltene Gabe des zeitlosen besitzt, hat immer die eine Eigenart. Nämlich, dass sie bereits in einer anderen Dimension vorproduziert scheint, was die Wirkung des zeitlosen Elementes erst ermöglicht und erzeugt.

Wir können hier nur einen vorläufigen Überblick beschreiben. Ein geistiges Profil der Gefühle in der Entstehung ist zunächst aufschlussreicher zu geben als eine reine musikalische Analyse. Aufgrund der völligen Ungewöhnlichkeit und großen Komplexität der Themen wäre dies nur in präziser Einzelarbeit möglich. Dies könnte später bei Interesse nachgeholt werden.

Track 1: Eros and Dead
Das Eröffnungsthema ist nur ein kurzer Ausschnitt aus einem langen expressiven Klangexperiment als Darstellung des unmittelbaren Ausdruckes der Nähe von seelischer Lust und seiner Verwandtschaft und Verbundenheit mit dem Tod.
Eines der vielen unmittelbaren Themen in einmaliger Kompositionsimprovisation, Originallänge ca. 9 Minuten. Entstanden ca. 1998.

Track 2: All over Eschede, Werktitel: All over all is Eschede
ist eine in 8 Grundphasen unter drängendem inneren Diktat entstandene symphonische Konzeption. Auf maschinellen symbolistischen Strukturen aufgebaut steigert es sich wild dahintreibend bis zum finalen Ende. Ein dramatisches Demonstrandum bewusst ohne jede Rücksicht auf Gefälligkeit, weit über die Grenze des erträglichen geführt, um die größtmögliche Beunruhigung zu erzielen. Ein tönendes Menetekel oder Omen der grauenhaften Katastrophenszenarien unserer Endzeitverdammnis im teuflischen System der Simulation. Es stellt an der tonalen Darstellung eines blind in den Abgrund des Unglücks rasenden Zuges das gesammelte Desaster einer der Willkür ausgesetzten besessenen, lieblosen oder liebesschwachen Menschheit in Angst und agonischem Schlaf dar. Die lyrische Ballade des deutschen Dichters Fontane über Elementargeister, die eine Brücke zerstören wollen, um den Zug abstürzen zu lassen und den Menschen an seine vergängliche Kleinheit und zur Umkehr zu gemahnen, ist die symbolische Entsprechung im Ausdruck der Sprache.
Der Schwellenschlag der Gleise gibt das Taktmaß der Zeit im vorübereilenen Menschenleben vor. Die Gleise selbst symbolisieren die Unausweichlichkeit des Schicksales. Dieses tonale Drama soll, wenngleich dies vergeblich ist, daran erinnern, dass jeder Opfer sein kann, jeder Opfer ist! Jederzeit ist der Tod gegenwärtig, als letzte und erste majestätische Instanz des Lebens. Was nichts an der Unerträglichkeit des kranken menschlichen Geistes ändert. Eine Kritikerin im deutschen Durchschnittsformat fand es einfach nur nervend. Dies soll es auch, gerade diese Leute. (Poets Cry-Musik ist nicht dazu geschaffen, um Sülze über die Verlogenheitsmarmelade bürgerlichen Wohlbefindens zu giessen.) Es ist ein Beweis für Durchschlagskraft einer wenigstens verstörenden Wirkung gegen die Bequemlichkeit und der Langeweile, die aus ihr resultiert. Entstanden ist das Stück ursprünglich am Unglücksabend des System-gemachten technischen Zugunglückes von Eschede am 3. Juni 1998.
Allein die Klangkulisse im Hintergrund erforderte über 100 Arbeitsstunden in mehr als 4 Monaten. Gesamtentstehungszeit: ca. 2 Jahre.

Track 3: The Miners (s. poetry-Beispiel)
In spielerischer Lässigkeit, schnell improvisiert hingeknalltes Thema, ist vordergründig unterhaltend, bewusst einfach und geradlinig gehalten, gedacht als Erheiterung nach dem schwergewichtigen Eschede. Entstehungszeit Komp. ca. 1 Stunde, Studioproduktion 5 Stunden.

Track 4: La Luna Cortese
Luna ist eine entzückende, sehr präzise durchgearbeitete Miniatur als Zeugnis einer vergangenen Zeit, notengetreu improvisiert. Eine original neapolitanische Canzone, im Gesang möglichst original neapolitanisch dargestellt. In der Instrumentierung sehr dynamisch angelegt wie ein Kurorchester oder fast wie ein Kurorchester aus dieser Zeit um 1930, das weit über seine musikalische Möglichkeit hinauswächst. Inhaltlich im Original wohl eine volkstümlich sehnsüchtige Anbetung des Mondes und des ewig Weiblichen.
Produktionszeit für Arrangement ca. 14 Stunden, Gesangsinterpretation ca. 8 Stunden.

Track 5: In my craft or sullen art (s. poetry-Beispiel) (in der Kunstfertigkeit meiner verdriesslichen Kunst)
Werktitel: sad tango
ist als solcher ohne direkte Anleihe beim argentinischen Tango dennoch original und seelenverwandt. Inspiration fließt hier von der wesentlichsten südamerikanischen Musik ein, trotz der Eigenständigkeit der Komposition.
Die Poesie ist vom einmaligen metaphysischen Dichter Dylan Thomas.
Musikalisch ursprünglich in der Basis einer arrangierten Vierspur-Bandaufnahme von 1982 ein gesangliches Seelenpsychogramm der Lyric in vielen Interpretationen im Archiv vorhanden. Lustvoll beschwingt, in leichter Melancholie arrangiert, ist es eines der inhaltlich dynamischsten Kompositionen von The Hold.

Track 6: The day is gone (der Tag ist gegangen und alle Süsse mit ihm…)
In Musik und Lyrik eine tief anrührende Elegie in wehmütiger Klage über die absurd tragische Unwiederbringlichkeit der Liebe und das schwache Herzbewusstsein des Menschen, als der Tag des Abschiedes gegangen ist. Die surrende Fliege symbolisiert das Unheil, das sich auf jeden Weg zur Heiligkeit im Versuch echter Liebe einschleicht, wenn das Schlimmste aller Unglücke entstanden ist. In musikalischer Fülle wird hier die Leere nach dem Scheitern ausgedrückt, die Hoffnungslosigkeit der Seele, die weitergehen muss, der nicht wahrnehmbare Sinn des Sinnlosen.

Track 7: Love at the closing of all days (Last Love, s. poetry-Beispiel)
Liebe wenn die Nacht unserer Tage in seelisch-lyrischer Intention ähnlich wie The day is gone, ist vordergründig als raffinierter andersartiger Reggae komponiert. Eine poetische Aufforderung zur den meisten Menschen unmöglichen selbstlosen Liebe. Gib Dich preis, gehe über Deine Grenzen hinaus! Eine großartige Inspiration des russischen romantischen Dichters Fyodor Tyutchev. Basic Original Band-Arrangement von 1981. Ebenfalls in vielen Varianten interpretiert. Wie vieles in der Poets Cry-Musik ein besonderer Klassiker.

Track 8: On an early morted (ashes dead) (an einen früh Verstorbenen)
Originalkomposition des lyrischen Naturkomponisten Edvard Grieg, der darin den Tod eines Freundes beweint. Bewußt schlicht in einfacher Klavierinstrumentierung gehalten. Gesanglich in dunklen Färbungen gehalten, symbiotisch mit einem Gedicht des spätromantischen tragischen Dichters Georg Trakl, in absoluter Verschmelzung zur Lyrik. Ein mutiges Demonstrandum echter romantischer Schwermut trotz der Kürze äußerst aufwendig im Ringen um den letztmöglichen Ausdruck in über 30 Gesangsvarianten interpretiert. Erstaufnahme ca. 1998, als Produktion abgeschlossen 2002, neu produziert in der auf Awakening erschienenen Interpretation. Gesamtproduktionszeit instrumental ca. 3 Stunden, verschiedene Varianten. Gesangsinterpretation ca. 20 Stunden. Ein sehr hoher Aufwand für eine sehr kurze Komposition.

Track 9: For visions of love
Die klangliche Darstellung des ewig herrschenden ozeanischen Fluidums der Elementarnatur, das in der Aussage die Trauer über die Abkehr und den Verlust der Ursprünge seiner Menschen beschwört. Im szenischen Kontrast in der Lyrik stehend, das die Gefühle der ausgesetzten Einsamkeit des Menschen, in den inneren Dunkelheiten der Metropolen der Endzeit des 19. und 20. Jahrhunderts darstellt. Dagegen gesellt die mächtige ungehörte Stimme der Freiheit des Übersinnlichen, das immer singt.

Track 10: The fluite (we elect the fluite)
Also himmlischer Klagegesang in beschwörender Kadenz.

Track 11: Untitled poisons
Raffiniert dynamisch repitatives Thema, ironisches Spiel mit vorgetäuschtem Dancefloor-Trance-Charakter, der in Wirklichkeit ein echtes Space-Speed-Thema ist. Naturgemäß derartigem Einheitsgebastel musikalisch weit überlegen, deswegen bewusst irreführend komponiert als Demonstrationsbeweis, dass auch aus einfachen Basiselementen richtig komponierte Charaktermusik gemacht werden kann. Musikalisch zusätzlich wie Track 12 bereichert durch das hochlyrische Saxophonspiel von Chuck Henderson (New York).
Grundkomposition ca. 10-30 Minuten, Gesamtproduktionszeit bis zum Endmastering ca. 4 Stunden.

Track 12: Free intro and round midnight
Freies Jazzintro improvisiert von Chuck Henderson, in freier Eigenwilligkeit gestaltetes Instrumentarium mit lockendem, lasziv traurigem Gesang. Original notengetreu nah an Thelonious Monk-Komposition angelehnt (Text Cootie Williams). Dennoch äußerst eigenwillig bewusst verspielt lässige Interpretation dieses oft gespielten Jazzklassikers.

Track 13: Glow highlands glow (glüht, hohe Länder, glüht)
Eine besonders mystisch bestimmte symphonisch polyphone Komposition. Ein musikalisch-elementares Naturschauspiel voller eruptiver Unmittelbarkeit. Bereits von der ersten Improvisation ausgehend ein hochsuggestiver beschwörender Charakter übermittelt aus der Welt der Elementargeister. Entstanden wie unter Trance, die Musiker konnten gar nicht anders, es musste unbedingt entstehen und erzeugt unweigerlich das Bild der Faszination eines übernatürlichen Traumes aus den Tiefen des vorzeitlichen Naturempfindens. Die Wunderwirkung dieses Stückes ist besonders intensiv auf unterbewusste Phantasiereservoirs.
Beziehungen zur Filmmusik sind abwegig bei einer derartig mächtigen tonalen Gestaltung, die nur als Illumination richtig bezeichnet werden kann. Denn eine metaphysische Bildwirkung ist auf der zu Bildern gemachten Musik, die ja immer vom Medium/Film/Bild kontrolliert wird, weit überlegen, da sie selbst geheimes Bild in Vision ist und solches beim Zuhörer erzeugen kann. Vorausgesetzt, es sind Zugänge zu einem Phantasiepotential überhaupt vorhanden. Diese klangliche Darstellung einer weiten Wanderung durch unbekannte Seelenlandschaften erforderte ca. 7 improvisative Produktionsstufen. Grundkomposition ca. 20 Stunden, Endmastering ca. 4 Stunden.

Frage 9:
Wie glaubst Du, hat sich Deine Musik im Laufe der Zeit verändert/entwickelt?

Poets Cry-Musik ist nicht alleine meine Musik oder die Musik der Musiker, durch die und mit denen sie entsteht. Sie ist aus dem verklärten Idealismus der reinen Spontaneität seelenorganisch gewachsen.
Diese Art der Musikschöpfung entwickelte sich vom frühesten Beginn an in jedem Thema, aus der Eigendynamik der Charakteristik der inneren, plötzlich vorhandenen Kompositionsidee, in das Kleid der ätherischen Athmosphäre. Es ist die Lust der Emphasis, des spielfreudigen Gestaltens des ersten Momentes, vergleichbar einer Geburt, in der die Züge des sich später entwickelnden Geschöpfes schon vorgegeben sind. Wichtig ist hier, daß dieser erste Ausdruck der klanglichen thematischen Findung stark und interessant genug ist. Daß die Musiker bewußt oder unbewußt dieses erkennen und im Zusammenspiel sich gegenseitig zu inspirieren vermögen, auch wenn sie noch gar nicht wissen können, worauf und wohin das Ganze hinausläuft. Es ist eben eine Musik, die ihr inneres Leben genau daher bezieht, daß sie nicht vorbesetzt wird von der beschränkten Vorstellungkraft eines einzelnen. Es geht eben darum, auch manchmal nur einer Ahnung nachgehen zu können, durch ein Nichts, und in der leidenschaftlichen Verfolgung das Alles der musikalischen Idee zu erreichen. Riskierende Wildheit, ironische Lust, die auch künstlerisch wütend auf die Welt blicken muss im unmittelbaren Ausdruck der Trauer über das, was nicht oder falsch stattfindet. Genauso gut könnte man hier auch fragen, wie ein Baum wachsen wird. In welche Richtung oder Form sein Stamm gehen, welche Windungen seine Äste bekommen werden usw. Es hängt immer vom Boden, den Wurzeln, Licht und Schatten, Standort, seelischer Veranlagungen ab.

Der ernsthafte Prozess der Leidenschaft, die Aufgabe, die starken musikalischen Inhalte ungebändigt zu lassen und dennoch weiterführend gestalterisch zu kultivieren führt zu den Veränderungen in ständig wachsender Erfahrung des aus-sich-selbst-kommenden. Also aus Uridee erwächst weitere Idee und eine Annäherung an das Ideal einer gestalterischen Vollkommenheit dieser Musikkunst. Sie ist eben wie ein gewachsenes, aus einer anderen Welt geborgenes Elementargeschöpf, fremd, bedrohlich, heimatlos, anheimelnd, verzaubernd.
Unveränderlich und dennoch in ständig fließender Bewegung einer Veränderung, wie jedes Leben selbst ins uferlose, grenzenlose Nichts.

Frage 10:
Was sind die Pläne von Poets Cry nach Awakening?Arbeitest Du bereits an neuem Material für Dein nächstes Studioalbum?


Die Vorbereitungen für das nächste Album sind seit eineinhalb Jahren im Gang und sollten eigentlich schon längst veröffentlicht sein. Veröffentlichungsreif liegen unzählige Werke im Archiv, die für mindestens 150 Alben ausreichen würden. Das zeitraubende ist die Covergestaltung, die höchsten künstlerischen Ansprüchen genügen muss. Bei einigem Durchhaltevermögen sollte es aber bis Frühjahr/Sommer 2006 endlich möglich sein,da wir selbst mit uns langsam sehr ungeduldig sind. Grundsätzlich wollen wir möglichst viel von Poets Cry veröffentlichen. Es gibt jedoch für einen kleinen Verlag, der eine derart ungewöhnliche Musik bekannt machen will, viele Hindernisse, die es mit unbeugsamer Beharrlichkeit zu überwinden gilt. Ein Problem ist also der völlig außerordentliche Charakter der Musik, die Raubkopierwirtschaft und das musikalisch stark reduzierte Auffassungsvermögen und Konsumdenken der Hörer. Unter welchen schwierigen Voraussetzungen, auch finanziell, diese Prozesse betrieben werden müssen, wollen wir hier nicht näher ausführen. Es existieren in der ganzen Welt tausende von Kopie von Awakening, jedoch denken nur wenige an Mithilfe durch Kauf. Der Musikmarkt in Europa (Händler für freie Musik) stagniert und verfällt vollkommen, so daß natürlich ein finanzieller Rückfluss für kulturelle Werte, die bleibend sein werden, in keinster Weise gegeben ist. Dennoch muß das nächste Album unter allen Umständen trotz aller Widerstände so bald wie möglich veröffentlicht werden. Die Auswahl unter diese unglaublichen Fülle an Kompositionen ist natürlich sehr schwer, da ja immer andere zauberische Stücke ausgeschlossen werden müssen. Die Qual der Wahl sozusagen, ist aber wenigstens ein angenehmes Problem. Sie müssen ebenso hochsubtil wie auf Awakening aufeinander abgestimmt sein, um den inneren Spannungsbogen gestalterisch als gesamtes zu erreichen, um nicht nur eine Abfolge einzelner Stücke zu sein. Versprechen kann ich nichts, aber laßt Euch überraschen!

Frage 11:
Was wird Deine musikalische Richtung sein? Was kannst Du uns darüber erzählen?

Die musikalische Richtung ist fraglich der richtungsweisende kompromißlose andersartige rätselhafte Weg dieser Musik als moderne Tondichtung. Tief sensuelle Kompositionen, darunter einige weitere galaktische Highlights hochpotentieller Intensität, etwas mehr erweiterte Ensemble Themen mit ungewöhnlichen zusätzlichen Ausnahmemusikern, etwas weniger Liederthemen als auf Awakening, noch wilderes Klangtheater. Die Zusammenstellung der Themen ist natürlich wieder äußerst gewählt aufeinander abgestimmt. Jedes Arrangement wird wieder einem musikalisch exklusiv abgestimmten Klangraum ertönen und die Welt hoffentlich möglichst verunsichern.
Der musikalische Schrei der Poeten wird sich noch unbekümmerter um die „Realität“ hörbar machen. Wir hoffen auch, es wird die gewohnte Musikwelt noch mehr verstören und ärgern, und die Menschen, die wir innerlich wirklich erreichen wollen, trösten und bezaubern.

Musik – die im Geheimnis der weltverborgenen selten kostbaren Wahrhaftigkeit, dem Ernst künstlerischer Magie entsteht, ist tonaler sehnender Ausdruck des allumfassenden Fluidums. Verzehrende Wiederbeschwörung des Allgegenwärtigen!
- Klangliche Bilder traumhafter Wirklichkeiten als Tanz der Wesenheit des Unerkannten.
Ist Gedicht des nicht wahr-genommenen, wahr-gewordenen.
Ist unausgesprochenes Wort im Klang des Schweigens der Lyrik, dieser schwersten Aufgabe im Denken der Kunst.
Ist Farbe und Form nicht gemalter Bilder in Licht und Schatten.

Denn Realität ist nur Bühne in der Kulisse der Erscheinung!
Die schnell ansprechende Musik kommt aus der Kulisse. Die subtil ansprechende Musik kommt aus der geheimen Welt hinter der Erscheinung, und hat es in der vordergründigen Welt naturgemäß viel schwerer.
Ich denke, die musikalische Richtung des neuen Albums wird diese Aussage wieder voll unterstreichen.

Frage 12:
Möchtest Du abschließend noch etwas hinzufügen?

Die wirklich große Musikkomposition erschafft etwas an sich Ungeheuerliches als Beispiel (Vorbild), zu dem bis auf wenige Ausnahmen die gesamte Menschheit seit ihrem Anbeginn tragischerweise kaum, oder nur im Wunder echter Liebe imstande ist!

Nämlich: Die unbedingte assoziative Kommunikation und Koordination galaktischer und außergalaktischer Energie in den subjektiven Mikrokosmos des Menschen!
Also Zeugung und Geburt einer wirklich letztendlich gültigen übersinnlichen Idee durch Sammlung musikalischer Harmonie (unter Einbeziehung von Disharmonischen), variabler Strenge in Punktierung und Kontrapunktuation, die ebenso absolut wie vergänglich ist. Reichtum der Stimmung in natur- und übernaturhafter atmosphärischer Instrumentierung, Aufstieg und Fall, ALLES und NICHTS in Einsatz und Stille, die Grundlage aller wesentlichen Musik ist. In der Musik dienenden Suche nach Darstellung des Ausdruckes einer Synthese aller Färbungen der metaphysischen und übermetaphysischen Elemente. Der Rhythmus ist der Puls dieser himmlischen Idee im Blute des Menschen! Das Metrum der Zeit wird in ihr von der Unendlichkeit im Selbst bewegt.
Ein ozeanisches Fluidum also gesammelten Seelengefühles im genialen Geist, das durch menschliche Einsamkeit bezahlt wird im höchsten Preis.
In erregender Korrespondenz zur ANDERSWELT immer wirkend zwischend der sichtbaren und den unsichtbaren Welten.

Nun ja, vielleicht ist nicht viel mehr zu sagen, wo so viel zu sprechen wäre. Immerhin der hilflos innig bescheidene Wunsch, daß ihr die Hoffnung nicht verlieren sollt. Nicht nur an die der Poets Cry-Musik erfreulicherweise zugeneigten Hörer, die dies durch Euch vernehmen können, an die Kämpfer von Radio Nucleus und alle in Eurem schönen, vom Bestiarium wie viele Länder, so elend geschundenen Argentinien.

Dass ihr den Glauben an Euch bewahren und stärken könnt durch MENSCHENLIEBE, über das Geschlechtliche hinaus, in hilfreicher BRÜDERLICHKEIT. Lasst Euch nicht täuschen vom Wahnsinn und der Wirrnis der Not einer entarteten Welt, die in unserer Epoche zuende geht. Und wenn ihr 100 Mal scheitert am Terror des Materialismus und unserer menschlichen Gefangenheit, an Euch oder an anderen, so lasst uns 1000 Mal wieder aufstehen!

Ich wünsche Euch die Kraft, Eure Seele zu suchen, die auch fern weilt dem Geiste und oft klagen muss bei allen Menschen, da der schwache Geist ihrer nicht achten will oder kann. Ihr selbst bestimmt durch Erkennen der Traumwelten des unsichtbaren Geheimnisses Eure Nähe und Euren Weg. Seid wachsam und achtet der oft verborgenen unscheinbaren Zeichen der Engel, deren es viele gibt.

Glaubt an die Idee der Seele individuell und universell. Bleibt das, was wir waren als Kind – in der Reifung des Erwachsenen, in Leidenschaft, Empfindsamkeit, Nachdenklichkeit, trotzigem Mut und unbezwingbarer Treue im wilden Blutdurst souveräner Gewaltlosigkeit gegen alles, was dies uns nehmen will.

Mit Eurer Rührung oder Zuneigung helft ihr der Blue Shade-Edition in ihrem bescheidenen Wirken und stärkt unsere Kraft, so wie wir hoffen, Euch hiermit innerlich etwas in der Sinngebung beistehen zu können. Bitte sendet Eure Ansichten, schildert Eure Gefühle, Euer Denken über Poets Cry, fühlt Euch frei, uns dies unter info@blueshade.de mitzuteilen.

Im Geiste unserer Verbundenheit zu Radio Nucleus, die ihr ja nicht zufällig auf uns zu gekommen seid, und unseren Hörern: auch wenn wir uns nicht kennen, äußerlich fern stehen, was ja allen Menschen leider nicht bewußt ist. Sie sind sich viel näher, als dies erkannt und leider befolgt wird.
Lasst uns energetisch in der Vorstellungskraft des unendlichen Traumes transsensuell auf der Brücke des Regenbogens zusammenwirken. In der Verbundenheit des unsichtbaren, unbegreiflichen Lächelns ewiger Güte des Unermesslichen.




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